15.08.2018

Hainsacker hat es wieder geschafft

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Regensburg.Es gibt Teams, die werden in höheren Ligen für Eintagsfliegen gehalten. Als die SpVgg Hainsacker 2015 in die 2. Tennis-Bundesliga aufgestiegen, wurde der Klub vor den Toren Regensburgs vielleicht auch als solch eine vorübergehende Erscheinung eingeschätzt. Doch Teammanager Hans Geldhäuser und die Seinen sind keine Eintags-, keine Zweitags- und auch keine Dreitagsfliege: Nach zwei 8:1-Erfolgen an den abschließenden Spieltagen zuhause gegen den Tabellenletzten Rüsselsheim und im Bayern-Derby in Würzburg steht fest, dass die SpVgg Hainsacker 2019 auch eine vierte Zweitliga-Saison angehen kann und damit eher als etablierter Klub anzusehen sind. Es war knapp, so knapp wie noch nie in Zweitligatagen: Mit den Siegen rettete sich Hainsacker im Neunerfeld auf den letzten Drücker auf Rang sieben und damit den ersten Nichtabstiegsplatz. „Dass das jedes Mal so funktioniert, das glaube ich nicht“, schnaufte Teammanager Hans Geldhäuser tief, tief durch. Vor den letzten beiden Spielen waren dem 62-jährigen Macher des Tennisteams, den die Regensburger als Teil der Kinoszene im Ostentor kennen, schon Gedanken durch den Kopf geschossen, dass ein Abstieg in die Regionalliga das Ende für sein alljährliches Vier-Wochen-Hobby hätte bedeuten können. „Ich mache das seit zwölf Jahren: Und wenn ich jetzt wieder in die andere Richtung marschiert wäre, dann bringt das nichts mehr“, sinnierte Geldhäuser. „Aufsteigen ist nämlich viel schwerer als drinbleiben. Das waren zumindest die ersten Gedanken. Aber wer weiß, wie es dann in vier Wochen ausgesehen hätte.“ ein Team freilich wischte alle Abschiedsgedanken schnell weg. „Die waren unglaublich motiviert, sind saufrüh ins Bett und waren alle in sich gekehrt“, berichtet Geldhäuser von einer äußerst konzentrierten Vorbereitung. Abzulesen war das schon an den gespielten Match-Tiebreaks, jener verkürzten Spielform im dritten und entscheidenden Satz, der bis dahin eine der Schwächen Hainsackers gewesen war. Am letzten Wochenende gewannen die SpVgg-Spieler fünf von sechs – und es hatte gar nicht gut begonnen. „In dem einen, den wir verloren haben, haben wir 9:4 geführt“, blickte Geldhäuser auf den verspielten Vorsprung des Ecuadorianers Ivan Endara gegen Rüsselsheim, der 10:12 verlor. „Da stand es 1:1 statt 2:0, und ich dachte, die halten den Druck nicht aus.“

Florez gewinnt Schlüsselmatch

Die bisher meisten Zweitliga-Siege für die SpVgg Hainsacker in dieser Saison holte bisher ein Spanier: Valentin Florez gewann sieben Spiele. Foto: Brüssel

Taten sie aber in der wegen Regens verspätet begonnen Partie dann doch – und hatten nach den Einzeln mit einer 5:1-Führung den Sieg sogar frühzeitig im Sack. Das Schlüsselmatch war dabei jenes des Spaniers Valentin Florez, der seinem kroatischen Kontrahenten Deni Zmak im siebten Spiel die erste Saisonniederlage beibrachte. „Valentin wollte das unbedingt. Das ist in meinen Augen kein Sechser, sondern ein Klassedreier“, urteilt Hans Geldhäuser. „Nach diesem Sieg ist Rüsselsheim die Moral ausgegangen.“

In Würzburg habe seine Mannschaft dann am Sonntag „unglaublich“ gespielt. Wobei die Unterfranken eine Art Lieblingsgegner sind. „Das war letztes Jahr schon so“, sagt Geldhäuser. „Obwohl die rein von der Besetzung her stärker sind als wir.“ Der Bannbrecher waren zwei gewonnene Match-Tiebreaks von Ivan Endara und des Tschechen Filip Duda in der ersten Einzelrunde. „Damit sind wir mit einem 3:0 statt 1:2 in die zweite Runde gegangen und wir hatten Würzburg den Zahn gezogen.“

Ivan Endara aus Ecuador kam auf vorderer Position auf
          eine 4:3-Einzel- und 5:2-Doppel-Bilanz. Foto: BrüsselIvan Endara aus Ecuador kam auf vorderer Position auf eine 4:3-Einzel- und 5:2-Doppel-Bilanz. Foto: Brüssel

Und so stand unter dem Strich in einer mehr denn je ausgeglichenen Liga das Ergebnis, das der einstige Mathematik- und Informatik-Student Geldhäuser auf eine andere Art und Weise vorberechnet hatte. Statt der drei angedachten Siege gegen Oberweier, Amberg und Rüsselsheim wurden es Erfolge gegen die Absteiger Ludwigshafen und Rüsselsheim sowie Würzburg.

Mit dem erst 18-jährigen Zsombor Piros klappte es (noch)
          nicht: Drei Spiele, drei Niederlagen war die Bilanz des
          Junioren-Grand-Slam-Siegers. Foto: Brüssel
Mit dem erst 18-jährigen Zsombor Piros klappte es (noch) nicht: Zwei Spiele, zwei Niederlagen war die Bilanz des Junioren-Grand-Slam-Siegers. Foto: Brüssel

Wieder Neues gelernt

„Mental ist das für mich genauso anstrengend wie für die Spieler“, sagt Geldhäuser. „Ich gehe ja auch noch arbeiten und falle abends ins Bett. Dann bin ich genauso fertig, wie wenn ich in einer Teerkolonne arbeiten würde. Das habe ich früher auch mal gemacht.“ Auch ein anderer Geldhäuser-Plan ging nicht auf. Mit seinen Topspielern Gianluca Mager und Zsombor Piros sowie Claudio Grassi hatten Geldhäuser und Co. in der ersten Saisonhälfte den Grundstock zum Klassenerhalt legen wollen. Dann meldete sich der ungarische Junioren-Grand-Slam-Sieger Piros verletzt und auch Mager fehlte. „Er hätte mehr Engagement einbringen müssen“, sagt Geldhäuser. „Das hatte ich falsch eingeschätzt und habe wieder etwas gelernt. So hat uns die alte Mannschaft mit ihrem Teamgeist gerettet. Da spielt jeder für jeden. Manche sind ja schon zehn Jahre bei uns.“


          Der Franzose Alexis Klegou belegt mit seiner 10:3-Bilanz
          Hainsackers Stärke an den hinteren Positionen. Foto: Brüssel
Der Franzose Alexis Klegou belegt mit seiner 10:3-Bilanz Hainsackers Stärke an den hinteren Positionen. Foto: Brüssel

Die meisten werden sich wohl 2019 in Hainsacker wieder treffen, trainieren, ins Fitnessstudio gehen oder Ausflüge nach München oder zum Radeln an einen See bei Garmisch machen. Hans Geldhäuser hofft wieder auf die Unterstützung der rund 20 nötigen Helfer. „Die nehmen freitags oft sogar Urlaub.“ Und das dann im vierten Jahr. Denn die SpVgg Hainsacker ist keine Eintagsfliege. Das ist längst bewiesen.

Applaus, Applaus: Am Ende blieb Hans Geldhäusers Team wieder drin. Foto: Brüssel

Von Claus-Dieter Wotruba




Letzte Änderung: 24.08.2018, 11:51 Uhr

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